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Melatonin

Hormon, das von der Zirbeldrüse produziert wird

  • Vorstufe Serotonin, aus der Aminosäure Tryptophan produziert
  • reguliert Rhythmus von Schlaf und Wachsein
  • Antioxidans
  • Licht hemmt Produktion
  • Spiegel während Kindheit / Jugend am höchsten

Funktionen / Eigenschaften

beeinflusst Schmerzempfinden

  • Regulation von zirkadianen Rhythmen
  • angstlösend
  • Einflüsse auf Schmerzrezeptoren
  • Einflüsse auf Neurotransmitter

Antioxidative Eigenschaften

  • relativ starkes Antioxidans
  • durch lipophile Eigenschaften v.a. für Nerven wichtig (Schutz)
  • wirkt in Symbiose mit anderen Antioxidanzien
  • stimuliert Aktivität von
    • Glutathionperoxidase, einem wichtigen antioxidativen, selenabhängigen Enzym
    • Glutathionreduktase
    • Superoxiddismutase (SOD)

Mitochondrien

schützt Mitochondrien (inkl. DNA) vor oxidativen Schäden

Alterung

Im Alter können chronische Entzündungen (auch stille Entzündungen) dazu führen, dass der Körper weniger Melatonin produziert. Das kann zu Veränderungen im Körper führen.

  • Bei Tieren konnte man beobachten, dass ein höherer Melatoninspiegel
    • Lebenserwartung erhöht
    • Verkürzung der Telomere hemmt (Schutzkappen der DNA)
    • Optimierung von:
      • Zellreparatur-Mechanismen
      • Gefäßendothel-Funktionen
      • Schilddrüsenfunktion

antientzündliche / entzündungshemmende Eigenschaften

z.B. Hemmung von Interleukin-1 / Interleukin-6 / Interleukin-8

Immunsystem, Hormone, Tumorwachstum

  • immunmodulatorische Eigenschaften
  • modulierender Einfluss auf die Östrogenaktivität und Androgenaktivität
  • Außerdem Hinweise auf hemmende Effekte auf das Wachstum von Tumorzellen
    • inkl. Hemmung der Blutgefässneubildung (Angiogenese)
  • Es gibt erste positive Erfahrungen mit Melatonin bei COVID-19
    • Verbesserungen bei
      • Husten
      • Atemnot
      • Fatigue
      • CRP
      • kürzere Hospitalisationsdauer
      • 3 × 3 mg pro Tag für 2 Wochen

Knochenstoffwechsel

kann für Knochenbildung wichtiges Osteocalcin erhöhen

Schlaf-Wach-Rhythmus

Mit der Abgabe von Melatonin kontrolliert die Zirbeldrüse die biologische Uhr des Körpers, den inneren Mechanismus, der unseren Wach- und Schlafzustand reguliert.

Die Ausschüttung von Melatonin erfolgt zyklisch; hohe Dosen während der Nacht (der Blutspiegel erhöht sich in der Nacht auf mehr als das 10-Fache, mit Spitzenwerten zwischen 2 und 4 Uhr).

Melatonin hat eine leicht einschläfernde und beruhigende Eigenschaften.

Stoffwechsel

  • spielt bei zahlreichen Steuerungsvorgängen des Stoffwechsels eine Rolle, hat Einfluss auf
    • Körpertemperatur
    • Blutdruck
  • kann als Botenstoff fungieren, welcher den Metabolismus an eine veränderte Nahrungsaufnahme anpasst:
    • Verlangsamung des Stoffwechsels bei geringer Energieaufnahme
    • erhöhte Stoffwechselaktivität in Zeiten hoher Energieaufnahme

Vorkommen, Dosierung

In Lebensmitteln kommt Melatonin in geringen Mengen vor (z. B.

  • Walnüsse
  • Gemüsekeimlinge
  • Trauben

Wird gut absorbiert, wenn oral eingenommen oder unter der Zunge aufgelöst.
Wird in Dosierungen von 0,5 – 5 mg angeboten.

Für schlaffördernde Wirkung eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen auf leeren Magen nehmen.

Anwendungsgebiete

Ältere Menschen

  • bei älteren Menschen mit einer geringen körpereigenen Melatoninsynthese können gezielte Melatoningaben sinnvoll sein
  • mögliche Anwendungsgebiete
    • Schlafstörungen
    • kardiovaskuläre Erkrankungen
    • neurodegenerative Erkrankungen

Normale Melatoninspiegel scheinen auch die Funktion der Geschlechtshormon-produzierenden Drüsen und der Schilddrüse aufrechtzuerhalten.

Blutdruck erhöht

  • kann einen erhöhten Blutdruck günstig beeinflussen
  • dieser Effekt ist allerdings eher als »positive Nebenwirkung« einzustufen und nicht als möglicher Einsatz von Melatonin als Blutdrucksenker
  • Systole ca. –3,4 mmHg, Diastole ca. –3,3 mmHg

Cholesterinwerte erhöht

hohe Dosierungen von mind. 8 mg/Tag, während mind. 8 Wochen, reduziert:

  • Triglyzeride um ca. 15 %
  • Gesamtcholesterin signifikant, lässt aber HDL und LDL unverändert

Fertilitätsstörungen Frauen, künstliche Fertilisierung

  • kann die Zahl der Schwangerschaften bei künstlicher Fertilisierung erhöhen
  • scheint die Zahl der gereiften Eizellen zu erhöhen

Krebserkrankungen

  • begleitende Einnahme (höhere Dosierungen von > 10 mg/d, abends) führte bei Krebspatienten während der Chemoterapie (Meta-Analyse, unabhängig der Krebsform) zu folgenden Resultaten:
    • erhöhte Tumorremissionrate
    • deutlich höhere Überlebensrate
    • deutlich reduzierte Mortalität nach 1 Jahr
    • weniger neurotoxische Nebenwirkungen der Chemotherapie
    • besseres klinisches Bild
  • wesentlich optimiert wurden auch
    • Blutbild (Leukopenie, Thrombozytopenie)
    • Schwächezustände
    • Schwindel
    • Erbrechen
    • niedriger Blutdruck

Jetlag

  • kann beitragen, die Symptome eines Jetlags zu reduzieren
  • zu diesem Zweck ein bis zwei Wochen lang einnehmen, nachdem man in die neue Zeitzone gereist ist
  • unterstützt dabei, die innere Uhr auf den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stellen
  • Dosierungsempfehlungen: 0,5 mg/Tag bis zu 3–5 mg/Tag

Leber, nichtalkoholische Fettleber

  • es können sich einige Leberwerte verbessern
    • AST
    • ALP
    • GGT

Neuroprotektion, neurodegenerative Veränderungen

Bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit konnten teilweise erhöhte Schwermetall-Konzentrationen im Gehirn nachgewiesen werden. In Zellkulturen scheint Melatonin die Zellen vor Quecksilberwechselwirkungen (Glutathionverlust, Neuroprotektion) zu schützen. Langzeitgaben von Melatonin scheinen bei Alzheimer-Patienten die kognitiven Funktionen und die Schlafqualität zu verbessern.

Operationen, Angstzustände vor OP, Delir nach OP

Eine neuere Cochrane-Review ergab eine Reduktion von präoperativen Angstzuständen. Nach einer Operation unter Narkose leiden etwa 5–15 % (bei Senioren noch mehr) der Betroffenen an einem postoperativen Delir. Dieses äußert sich durch kognitive Beeinträchtigungen, Störungen der Psychomotorik, der Emotionalität sowie des Schlaf-Wach-Rhythmus. Melatonin (Dosierungen meist zwischen 3 und 8 mg, während 2–7 Tagen rund um die Tage des operativen Eingriffs) konnte die Häufigkeit eines Delirs reduzieren. Da sich sonst noch keine andere pharmakologische Intervention bewährt hat, kann Melatonin für diese Anwendung als sinnvolle Option in Betracht gezogen werden.

Schlafstörungen

Menschen mit Schlafstörungen, die mit Benzodiazepinen behandelt werden, können ggf. positiv auf Melatonin reagieren. Melatonin kann ärztlich kontrolliert parallel mit Benzodiazepinen verabreicht werden und bei Ansprechen eine Reduktion der Benzodiazepindosis ermöglichen.

Bei (älteren) Menschen, deren Melatoninausschüttung reduziert ist und die deshalb an Schlafstörungen leiden, kann Melatonin zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen. Melatonin verbessert in diesen Fällen Einschlafstörungen, erhöht die Schlafdauer und die Schlafqualität (inkl. REM-Schlaf). Dosierungen im Bereich von 5 mg/Tag und eine längere Einnahmedauer (mehrere Wochen) führten zu insgesamt besseren Ergebnissen als eine niedrigere Dosierung und als kürzere Einnahmezeiten. Melatonin kann auch bei zahlreichen Begleiterkrankungen zur Verbesserung der Schlafqualität eingesetzt werden.

Bei Durchschlafstörungen können retardierte Melatoninpräparate eine Option sein. Auch bei sekundären Schlafstörungen (z. B. bedingt durch Schichtarbeit, Jetlag, Depressionen, Angstzustände) gibt es Erfahrungen mit Melatonin zur Verkürzung der Einschlafzeit und Verlängerung der Schlafdauer. In placebokontrollierten Doppelblind-Untersuchungen konnte Melatonin auch bei Einschlafschwierigkeiten von Kindern mit Entwicklungsstörungen erfolgreich eingesetzt werden. Es wurden bei einer Versuchsdauer von 6 Wochen keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen festgestellt.

Schmerzzustände: Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz, Rückenschmerzen, Menstruationsschmerzen, Endometriose, Fibromyalgie

Melatonin (3 mg/Tag, abends einnehmen, keine Retard-Präparate) kann zu einer Reduktion von Migräneattacken führen. Es gibt auch Hinweise auf eine mögliche Verbesserung bei Spannungs- und Clusterkopfschmerzen (meist 3–10 mg Melatonin/Tag). Melatonin kann begleitend auch bei chronischen Rückenschmerzen hilfreich sein.

Bei Endometriose führte Melatonin (10 mg/Tag, 8 Wochen) zu einer klinisch relevanten Reduktion der Schmerzen und Menstruationskrämpfe (um ca. 40 %) sowie des Schmerzmittelbedarfes (um mehr als die Hälfte).

Bei Fibromyalgie wurde Melatonin (auch in Kombination mit Fluoxetin, Amitriptylin) in Dosierungen von 3–10 mg/Tag eingesetzt. Es führte zu Besserungen der Schmerzen, Depressionen und Schlafstörungen.

Tardive Dyskinesie, Schizophrenie

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie wurde Patienten mit Schizophrenie und tardiver Dyskinesie während 6 Wochen täglich 10 mg Melatonin gegeben. Es konnte eine signifikante Verbesserung der Bewegungsmotorik festgestellt werden.

Medikamente, Wechselwirkungen

Betablocker beeinflussen die Melatoninproduktion negativ. Auch Benzodiazepine interagieren mit Melatonin, indem sie den normalen Melatoninzyklus während der Schlaf- und Wachphasen stören. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass manche Menschen auf Benzodiazepine paradox reagieren.

Besondere Hinweise

  • Melatonin – auch das im Körper gebildete – ist sehr lichtempfindlich.
  • Für Personen mit Schlafstörungen empfiehlt es sich, möglichst alle Lichteinflüsse innerhalb und außerhalb der Schlafräume zu reduzieren.
  • Schichtarbeit führt zu erniedrigten Melatoninspiegeln.

Bei manchen Menschen verursacht Melatonin am nächsten Morgen Symptome, die einem leichten »Kater« gleichen (vor allem in Dosierungen von mehreren Milligramm). Stimmung und Leistungsfähigkeit sind aber nicht beeinträchtigt. In diesen Fällen sollten Dosierung und Einnahmezeitpunkt nochmals überdacht werden.

Nitrosativer Stress bzw. Peroxinitrit vermindert die körpereigene Melatoninsynthese.

Nebenwirkungen

Bei Dosen von 1–5 mg wurden nur wenige milde Nebenwirkungen festgestellt: Schlaflosigkeit (9 %), Kopfschmerzen (3 %), Schwindel (3 %), Übelkeit (1 %) sowie ein leichter »Hangover« am nächsten Morgen.

Wenn Melatonin während des Tages eingenommen wird, kann es leichte Ermüdungserscheinungen und Schläfrigkeit hervorrufen.

Melatonin wurde den Patienten in den meisten Studien während einer begrenzten Zeit verabreicht – gewöhnlich während Tagen oder einiger Wochen.

Sehr hohe Dosen können zur Unterbrechung des Menstruationszyklus bei jungen Frauen oder bei einzelnen anfälligen Personen zu Depressionen führen.

Der therapeutische Einsatz sollte daher kontrolliert und gezielt durch einen Arzt erfolgen.

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weitere Recherche

  • Doris Loh - Phasentrennung (Phase-Separation)